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Stolz wie ein... Pole ? --- II Version

Mon Feb 2, 2009, 2:53 PM
Ein durchschnittlicher Pole heißt Jan Kowalski. Er wohnt in einer kleinen Plattenbauwohnung, geht jeden Sonntag mit seiner vierkö;pfigen Familie in die Kirche, anschließend ins Einkaufszentrum, fährt ein koreanisches Mittelklasseauto, verdient monatlich 2225 PLN, arbeitet acht Stunden täglich, ist seit zwanzig Jahren verheiratet, geht dreimal pro Tag mit seinem Hund Gassi, isst 2500 Kallorien taeglich, liest 0,8 Bücher und trinkt 8,0 Flaschen Wodka jährlich und empfindet, wie 95% seiner Mitbürger, einen starken Nationalstolz... Stimmt das ueberhaupt?

Stolz, Pole zu sein ist gar nicht so einfach! Nationalstolz in der polnischen Bevölkerung ist ein höchst problematischer Begriff, obwohl jeder das Recht hat auf sein Land stolz zu sein. In Deutschland ist das Thema “Nationalstolz” ein Tabu. Fast jeder Deutscher, der seine Liebe zum Vaterland gesteht, wird auf Anhieb als Neonazi oder unverschaemte Nationalist bezeichnet. In Polen hingegen wird man häufig mit diesem Thema konfrontiert, womöglich gar zu häufig. Die Polen lieben es, sich als Märtyrer Europas, meist unterschätzte Nation des alten Kontinents, Kinder der Freiheitskämpfer und Revolutionäre zu sehen. Polnische Geschichte wird ja durch Freihatskaempfe und Aufstaende gepraegt. Trotz des typischen Polenbildes der Deutschen, der mehr negativ als positiv zu sein scheint (Autodiebe, unterbezahlte Bauarbeiter und ’’;polnische Wirtschaft’’;) , sehen sich die Polen als stolzes, großes Volk, dem Europa viel zum verdanken hat. Nicht zu Unrecht. Leider ist Polen in Deutschland und allgemein gesagt im Westen nicht so bekannt, wie es sein soll. Ein Beispiel dafuer: "Polen? Schrecklich kalt dort, nicht wahr?"- wurde Wisława Szymborska in Deutschland nachgefragt. "Oh ja, die Dichter meines Landes schreiben in Handschuhen. Ich behaupte nicht, sie zoegen sie niemals aus; wenn der Mondschein warmt, dann schon" - antwortete sie mit ihrer eingeborenen Intelligenz und Humor.
Seit den 60ger Jahren, seit Szymborska diese Anegdote erzaehlt hat, hat sich an der Ahnungslosichkeit der Europaerer gegenueber Polen nicht viel veraendert und Vorurteile gehen oft von dem Unkenntniss aus. Laut in 2003 gefuhrene Umfrage hat man festgestellt, dass Polen die unbeliebsten Nachbarn der Bundesrepublik sind, obwohl man als ein Pole in Deutschland oft ehrlich freundlich empfangt wird.

Vom polnischen Publizisten Adam Krzemiński stammt der Ausspruch : "Polen will zurueck nach Europa" .Aber jetzt kommt die Frage.. Wieso zurueck? Polen liegt doch in Europa und war immer ein bedeutender Teil der abendlaendischen Kultur. Die erste demokratische Verfassung Europas, jene vom 3.Mai 1791, wurde in Polen ratifiziert - wind der Aufklaerung wehte durch das Land. Polens Verfassung war durchaus so modern wie die US-amerikanische, da sie von der Volkssouveraenitaet ausging. Polen wurde Erbmonarchie mit katholischer Staatsreligion bei weitgehender Toleranz Andersglaeubigen gegenueber. Ja, Polen kann man aus das Vaterland von Toleranz bezeichnen. Dort fanden seit Jahrhunderten Juden und “Häretiker” Zuflucht. Auch über Polens Beitrag bezüglich des Falls der Berliner Mauer herrscht überwiegend Unkenntnis, obwohl polnische Bewegung "Solidaritaet" (Solidarność;)fuer die Welt schon ein bekannter Begriff ist. 123 Jahre der preußischen, russischen und österreichischen Besatzung hat das polnische Volk heldenhaft ertragen, polnische Sprache und Kultur immer gepflegt .Während des zweiten Weltkrieges, infolge dessen dieses Land unheimlich gelitten hat, war Polen der einzige Staat, der keine konformistische Regierung gebildet (im Gegensatz zu z.B. Norwegen und Frankreich) , sondern starken Widerstand geleistet hat. Polnische Frauen haben sich viel frueher als Deutsche emanzipiert, sie durften Hochschulen besucht, reisten auch ins Ausland um z.B. an Sorbona zu studieren. Trotzdem fallen polnische Frauen den ungerechten Vorurteilen zum Opfer. In jedem dritten K11-Sendung an SAT1 werden die arme polnische Prostituierte aus der Hand skrupelloser Zuhaelter befreit. Polnische Maenner werden in deutschen Massmedien hingegen als Zigarettenschmuggler, Zuhaelter, schlaue Diebe, ungepflegte Bauern und...politisch-unerziehbare "Kartoffeln". Solches Bild von Polen erscheint nicht nur in solchen Medien wie Bild oder RTL sondern auch in mehr anspruchsvollen Presse wie TAZ. Schade.
45 anschließende Jahre des Sozialismus haben leider starke Spuren in der polnischen Mentalität hinterlassen. Man soll erwaehnen, dass sowohl waehrend des 2.Weltkrieges infolge wie u.a. Ausserordentliche Befreidigungsaktion von 1940, indem zahlreiche polnische Intelektueller, Akademiker, Aerzte, Priester und Wissenschaftler ermordet wurden, als auch waehrend Jahren der Sozialismus, besonders bis 1953, wurde die polnische Elite ausgerottet. Es geht mir darum, dass polnisches Volk eine ganz neue intelektuelle Elite bilden musste, in Deutschland hingegen koennte sie ruhig existieren.

In Deutschland entfachte die Debatte über den Nationalstolz im Zuge der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2006. Ein deutscher deutscher Star der Trancemusik, Paul van Dyk hat zusammen mit einem Saenger Namens Peter Heppner das Lied u.d.T. "Wir sind wir" verfasst. Dieses Stueck der Popmusik kann ruhig als eine Lobeshymne des Deutsches Volkes betrachtet werden."(..Aufgeteilt,besiegt und doch, schliesslich leben wir jenoch!"..) (Aus Asche haben wir Gold gemacht..."). Auf den Strassen hat man "Deutschland ueber alles" gesungen.. Ein Fest des Party-patriotismus.
Endlich wurde über nationale Identität gesprochen; jene hat nichts mit dem Nationalismus zu tun. Nationale Identität konnte man den Deutschen als eine Belastung ansehen, weil sie den Deutschen seit dem Ende des 3.Reichs nicht mehr zugestanden wurde. Johannes Rau, ehemaliger Bundespräsident, wurde einmal der mangelnde Nationalstolz vorgeworfen. Er hat darauf mit folgenden Worten reagiert : ” Stolz ist man auf das, was man selber zu Wege gebracht hat” .Gerhard Schröder sagte hingegen: “Ich bin auf die Leistungen der Menschen und auf die demokratische Kultur stolz. Und in diesem Sinne bin ich ein deutscher Patriot, der stolz ist auf sein Land”. Das heutige deutsche Nationalbewusstsein wird geprägt vom Stolz der Wiedervereinigung und dem Wiederaufbau, dem sog. Wirtschaftswunder. Auferstanden aus Ruinen ist ja ein deutsches Volk. Wenn ich an Deutschland denke, mir wird es warm am Herzen, obwohl ich keine Deutsche bin. Deutschland fasziniert mich trotzdem: als Land der Könige, großen Dichter, Wissenschaftler, Schriftsteller, Künstler, Ritter, Erfinder...

Wie ist eigentlich das polnische Volk, das als sehr stolz gilt? Auslaender sehen Polen als Land der Bescheidenheit. Ja, das faellt einem ins Auge. Es gilt als unhoefflich und frech, wenn man seine eigene Erfolge lobt und wenn man darueber erzaehlt. Polen jammern oft, verdienen ihr erstes Geld in Großbritannien oder in Irland, sind herzlich und gastfreundlich, streiten sich aber auch heftig und temperamentvoll, verbringen Urlaub in Kroatien oder in Griechenland, weinen bei der Lektüre der “Trilogie” von Sienkiewicz und beim Fußballgucken, tragen Sandalen mit Socken, tragen Schnurrbaerte, haben Verwandte in Chicago, verbinden Deutschland immer noch mit dem Faschismus, kaufen aber dennoch bei LIDL und Rossmann ein, fahren Volkswagen, tragen Deichmann-Schuhe, benutzen Siemens-Geräte, essen Haribo-Bärchen und bewundern eigentlich ihre westlichen Nachbarn. Laut europäischen Statistiken, sind die Franzosen die größten Patrioten Europas. Polen haben keinen Louvre, ihre Ostseeküste erinnert nicht gerade an die Cote d’Azur, ihre Strassen haben mehr Löcher als französischer Käse, ihre Hauptstadt Warschau kann dem schönen Paris nicht die Stirn reichen, sogar Chopin, auf den die Polen herrlich stolz sind, wird oft den Franzosen zugeschrieben. Die Polen haben jedoch etwas, was man weder sehen noch berühren kann. Man kann es nur empfinden. Der Aussenminister Polens in Jahren 1932-1939, Józef Beck, pflegte zu behaupten: " Frieden ist das, was wir begehren und zu schaetzen wissen. Unsere Generation, in Kriegen verblutet, verdient es wohl. Aber Frieden, wie alle Sachen dieser Welt, hat seine hohe Preis. Wir in Polen koennen nicht den Begriss des Friedens fuer jeden Preis. Fuer die Voelker, Laender und Nationen nur die Ehre ist das, was keinen Preis hat. Nur die Ehre". Polnische Buerger empfinden zu ihrem eigenen Vaterland eine Art "Hassliebe". Neben imponierenden Nationalstolz kann man auch tiefe Minderwertigkeitskomplexe sehen. Es ist schwierig fuer einen polnischen Buerger stolz auf seine Nationalitaet zu sein...
Aber die Polen schaffen es!





Literaturverzeichniss:
1.Jaeger-Dabek Brigitte "Polen- Eine Nachbarschaftskunde". Bundeszentrale fuer die politische Bildung. Bonn 2003
2. Moeller Steffen " Viva Polonia!".Scherz. Frankfurt am Main 2008
3. Polens neue Kartoffel aus TAZ.archiv [link]

  • Mood: Sadness
  • Listening to: Farin Urlaub
  • Reading: Feuchtgebiete :D
  • Watching: nix
  • Playing: nix
  • Eating: Fleisch :D
  • Drinking: banana juice

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  • Favourite band or musician: Chopin of course. Farin Urlaub, Grzegorz Turnau, Laith al-Deen
  • Favourite genre of music: classic, jazz,pop, rock
  • Favourite poet or writer: Erich Maria Remarque, K.K Baczynski, G.Orwell
  • Favourite photographer: me ;)
  • MP3 player of choice: iPod
  • Favourite cartoon character: maślana ;)

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:iconhikawaii2plz:
Thank you
very much
for the fav!
:iconblushyplz:

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Sammiches are missing der proteenz.
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